Nordost von Torsten Buchsteiner
Premiere 12.Februar.2009
Olga:
Gestern war das alles nur ... Fernsehen. Heute ist es real.
Tamara:
Manchmal entscheidet sich ein Schicksal innerhalb von Sekunden. Entscheidet auf welcher Seite man steht.
Zura:
So kurz vor dem Tod geht es doch nicht um Allah und die Glaubenssätze. Da geht es nur noch um Persönliches. Um Verrat. Um Rache.
Moskau, 23. Oktober 2002, 21:05 Uhr. Eine Gruppe von 41 Tschetschenen, Männer und Frauen, überfällt das Theater an der Dubrowka, in dem eine Vorstellung des ersten russischen Musicals „Nord-Ost“ läuft. Sie nehmen über 800 Menschen als Geiseln und fordern den kompletten Abzug der russischen Armee aus Tschetschenien. Am Morgen des 26. Oktober stürmen russische Spezialeinheiten das Theater, zuvor ist ein Betäubungsgas in den Zuschauerraum eingeleitet worden. Im Gefolge dieser Befreiungsaktion sterben 129 Geiseln und alle Geiselnehmer. So weit die Fakten.
Basierend auf den Geschehnissen im Oktober 2002 hat der Autor und Schauspieler Torsten Buchsteiner sein Theaterstück Nordost geschrieben. Er erzählt die Geschichte der Geiselnahme aus der Perspektive dreier Frauen. Da ist die junge Tschetschenin Zura, eine der Geiselnehmerinnen im Theater. Ihr Mann wurde im Krieg von einem russischen Soldaten getötet, sie wurde danach von den Rebellen als Schwarze Witwe rekrutiert und zur Selbstmordattentäterin ausgebildet. Da ist die ärztin Tamara, deren Mann als Soldat am Tschetschenienkrieg teilgenommen und daran zerbrochen ist. Tamara sollte an diesem Abend in der Vorstellung sitzen, hat aber den Dienst eines Kollegen übernommen und wartet deswegen mit den Einsatzkräften vor dem Theater – auf der anderen Seite. Und da ist Olga, eine russische Zuschauerin, die mit Tochter und Ehemann in der Vorstellung sitzt. Sie hat sich die Eintrittskarten für Nordost vom kargen Einkommen der Familie abgespart, um ihrer Tochter deren Herzenswunsch eines Musicalbesuchs zu erfüllen.
Mit Nordost hat Torsten Buchsteiner zum einen ein packendes Stück politisches Theater geschrieben: Exemplarisch werden die Themen Terrorismus und Geiselnahme verhandelt. Zum anderen aber ist Nordost ein intimes Kammerspiel über drei Frauen, deren Lebenslinien sich an diesem Abend kreuzen. Und ein Stück über den Schrecken, den der Einbruch einer gewalttätigen Realität in eine behütete – oder behütet geglaubte – Welt in uns auslöst.
Nordost wurde 2005 mit dem Jurypreis der 1. St. Galler Autorentage und mit dem Else-Lasker-Schüler-Preis ausgezeichnet. Die Tollhaus Theater Compagnie zeigt die Münchner Erstaufführung des Stückes.
Es spielen: Ulrike Auras, Zeynep Tunc, Barbara Wankerl
Bühne: Cornelia Kühnel
Technik: Anton Demarczyk, Cornelia Kühnel, Daniel Kupp
Licht: Jo Hübner
Musik, Sounds: Christopher Fellinger
Kostüme und Maske: Maja Vasic
Postkarte & Plakat: Cornelia Kühnel
Regie: Christian Auras