Christian Auras

Christian Auras hatte Schauspielunterricht am Zinner-Studio in München und spielte in verschiedenen Theatergruppen (Theaterwerkstatt Kelle Riedl, English Drama Group, Magic If Theatre, AmActs), bevor er 2001 für die Titelrolle von Ionescos Macbett zur Tollhaus Theater Compagnie kam. Seither hat er das Profil der Truppe und ihre Produktionen maßgeblich mitgestaltet.

Seine nächste Rolle war Frank in Shelagh Stephensons Das Gedächtnis des Wassers, danach glänzte er als maßloser Dichter und Säufer Edward Damson in Peter Shaffers Das Geschenk der Gorgo – seine „absolute Lieblingsrolle“. Die Tollhaus-Eigenproduktion Das Catull-Projekt verdankt ihm als Mitautor zahlreiche Szenen und Dialoge und als Schauspieler zwei wunderbar gegensätzliche Bühnenfiguren: einen Engel und einen Pornofilmer.

Mit seiner fulminanten Inszenierung von Urs Widmers Top Dogs gab er sein Regiedebüt bei Tollhaus. Seine nächsten Regiearbeiten waren SommerNachtTräume nach Shakespeare, Herr Kolpert von David Gieselmann (der Münchner Merkur sprach von einer „rasant-witzigen sowie durch und durch stimmigen Inszenierung“), Othello.Therapie von John von Düffel und Popcorn von Ben Elton.

Für den Karl-Valentin-Abend Und am Ende trat plötzlich der Schluss ein kehrte Christian Auras wieder auf die Bühne zurück und spielte u. a. in der eigenwilligen Version von Vater und Sohn über den Krieg. Danach inszenierte er Glückliche Zeiten von Alan Ayckbourn („professionell gemacht“ urteilte die tz) und erfüllte sich schließlich mit der Inszenierung von Heinrich von Kleists Penthesilea einen lange gehegten Wunsch. Das Publikum war tief beeindruckt von der Bearbeitung des Textes, der Interpretation des Stückes und der Intensität der Inszenierung, sodass die Produktion eine Wiederaufnahme erlebte. An den künstlerischen Erfolg von Penthesilea konnte Christian Auras mit seiner folgenden Inszenierung unmittelbar anknüpfen. Er brachte das Geiseldrama Nordost von Torsten Buchsteiner auf die Bühne der Pasinger Fabrik und sorgte mit einer überzeugenden Mischung von theatralen, filmischen und fotografischen Mitteln für atemberaubende Spannung und engagierte Diskussionen unter den Zuschauern. Die Abendzeitung bezeichnete die Inszenierung als „zurückgenommen, minimalistisch und doch Sog entfaltend“ und erlebte „ein ansehnliches Stück politisches Theater“. Ein weiteres Stück von Torsten Buchsteiner, Tango Sólo, steht ganz oben auf der Inszenierungsliste von Christian Auras.

Zunächst wird er aber für die aktuelle Produktion der Tollhaus Theater Compagnie, Schillers sämtliche Werke ... leicht gekürzt (von Michael Ehnert), wieder als Schauspieler auf der Bühne stehen. Christian Auras genießt diesen Rollenwechsel, auch wenn er die Regiearbeit als seine künstlerische Heimat betrachtet.

Als Motor für seine Lust an der Theaterarbeit nennt Christian Auras seine Neugierde darauf, „wie Menschen ticken, was sie antreibt“ und den Drang „auch und genau dahin zu schauen, wo es weh tut“. Zudem reizt es ihn, sich immer neuen künstlerisch-handwerklichen Herausforderungen zu stellen, sich immer wieder an Grenzen zu begeben und diese vielleicht etwas zu verschieben.

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